INFORMATIONSDOSSIER ÜBER DEN EINSATZ CHEMISCHE WAFFEN DER TÜRKEI November 2011
Jede ungesehene und ungeahndete Menschenrechtsverletzung ist eine Einladung zur wiederholten Menschenrechtsschuld!!!
Inhaltsverzeichnis: Brief von KNK
Bilder der 36 getöteten Guerillakämpfer am 22 – 24 Oktober 2011 durch die türkische Armee Pressemeldungen - Mutmaßliches Kriegsverbrechen an 24 Guerillas - „ie Leichname unserer Kinder sind verkohlt" - 15 Familien konnten die zerfetzten Leichname ihrer Kinder nicht in Empfang nehmen - Delegation sah die Grausamkeit im Kazan-Tal Erklärung der Partei für Frieden und Demokratie (BDP) IHD: 437 kurdische Guerillas fielen Chemiewaffen zum Opfer Zum Kriegsverbrechen der Türkei mit chemischen Substanzen vor 2 Jahren - Spiegel Online: Türkei soll Kurden mit Chemiewaffen getötet haben MAF-DAD: Information about the criminal complaint lodged against leading Turkish politicians and military personnel according to the German international criminal code Sehr geehrte Damen und Herren, seit Hunderten von Jahren bemüht sich die Menschheit zur Gestaltung des Kriegsrechts. Seit ca. 150 Jahren sind Kriege an internationale Sicherheitsabkommen gebunden. Diese Abkommen und ihre Inhalte wurden von türkischer Seite akzeptiert. Nichtsdestotrotz sieht es bei der Umsetzung dieser Normen anders aus. Besonders gegen die Kurden werden die unterschriebenen Vereinbarungen übergangen und missachtet. In den letzen 30 Jahren wird gegen das kurdische Volk ein Krieg geführt, der alle vorstellbaren Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Rechtsverstöße beinhaltet. Dieser Krieg dauert bis heute an. Die Haltung der internationalen Mächte ist die der drei Affen: sich taub, blind und stumm zu stellen. In diesem 30-jährigen Krieg hat keine der jeweiligen türkischen Regierungen oder Militärführungen jemals die internationalen Sicherheits- und Kriegsrechtsabkommen befolgt oder von ihren fortdauernden Kriegsverstößen und Menschenrechtsverletzungen abgelassen. Dabei sind tausende Dörfer und Wälder verbrannt, die Natur und Umwelt zerstört worden, was zu millionenfacher Obdachlosigkeit, Zwangsvertreibung und Umsiedlung geführt hat. Hunderttausende Menschen wurden gefoltert, tausende durch Folter, Entführung oder einfachen Mord auf der Straße der Brutalität ausgesetzt. Es kamen geächtete Waffen zum Einsatz, gefangen genommene Guerillas wurden, bevor sie abgeschlachtet wurden, unter gnadenlosen Foltern verhört. Ihre Leichname wurden auf menschenunwürdige Weise geschändet und teilweise verbrannt. Im Kampf gegen die kurdische Guerilla verfügt die türkische Streitmacht über sowohl zahlenmäßig als auch technologisch unverhältnismäßig größere Kapazitäten, was sie trotzdem nicht vom wiederholten Einsatz chemischer Waffen abhält. Die Meldung, dass vom 22. bis 24. Oktober 2011 in Hakkari-Çukurca als Folge ununterbrochener Bombardierung und Chemiewaffeneinsatzes mindestens 24 Guerillas ums Leben kamen, hat das kurdische Volk zutiefst erschüttert. Die HPG (Volksverteidigungskräfte) machten in ihrer Erklärung vom 30. Oktober 2011 darauf aufmerksam, dass sich die Zahl der Verluste wahrscheinlich auf 35 getötete Guerillas beläuft. Für das kurdische Volk und seine Öffentlichkeit ist die Praxis des türkischen Militärs nicht neu. Kurdische Politiker, Menschenrechtler, sowie Familienangehörige der bei Angriffen getöteten Guerillas, machten mehrmals bereits nach früheren Angriffen auf den Chemiewaffeneinsatz aufmerksam. In der Veröffentlichung des IHD (Menschenrechtsvereins) Diyarbakır vom April 2011 geht es im „Bericht über Chemiewaffeneinsatz" um die in diesem Zusammenhang 39 bisher bekannt gewordenen Militäroperationen der türkischen Armee im Zeitraum von 1994 bis 2011, bei denen insgesamt 437 Guerillas ihr Leben verloren haben. Obwohl in den letzten Jahren einige internationale Medienagenturen diese Nachrichten gemeldet und bestätigt hatten, blieben Maßnahmen oder Reaktionen von der Außenwelt aus, was den türkischen Staat ermutigte, ungestört seine Kriegsverbrechen fortzusetzen. Ein weiterer Aspekt der Kriegsführung gegen das kurdische Volk ist das Monopol des dem Staat verbundenen Medienapparates in der Türkei, was sich deutlich in der Selbstdarstellung nach außen widerspiegelt. Aufgrund dessen ist es einfach zu erklären, warum in den Medien keine einzige der vielen Nachrichten, Behauptungen oder Anschuldigungen über Chemiewaffengebrauch auftaucht oder gar dementiert wird, warum entsprechende Rechtsaktivisten, Demokraten oder öffentliche Kreise stillschweigen und den Staat weder von innen noch von außen kritisieren. Es werden in effektiver Zusammenarbeit Menschenrechtsverletzungen am Beispiel des kurdischen Volkes verheimlicht und totgeschwiegen. Heute jedoch ist der Chemiewaffengebrauch des türkischen Staates mit Belegen, Meinungen und Feststellungen von Experten bewiesen. Im Anhang finden Sie ein Dossier mit weiterführenden Informationen und Dokumentationen. Hierbei haben wir die Menschenwürde verletzende und das Gewissen strapazierende Bilder deshalb gewählt und angehängt, damit das Ausmaß der Schuld und des Unrechts wenigstens zum Teil vor Augen geführt wird. Wir wissen, dass diese Belege die vollständige Grausamkeit und Realität der Tat nicht angemessen erfassen können. Doch ist angesichts der gegenwärtigen Situation der Kurden eine tiefer gehende Untersuchung, Erforschung und Aufklärung, nicht zuletzt aufgrund der ausbleibenden internationalen Unterstützung und Möglichkeiten, derzeit nicht möglich. Die Untersuchung des geschilderten Falles durch internationale Abkommen verbotenen Chemiewaffeneinsatzes gegen die kurdische Guerilla kann in allen wichtigen Aspekten und Details nur aufgeschlüsselt werden, wenn mit technischer Ausrüstung erforscht und aufgeklärt wird, und wenn die für die Kriegsverbrechen Verantwortlichen, um zur Rechenschaft gezogen zu werden, ermittelt werden. Damit bestünde die Chance, in der Weltöffentlichkeit eine Abschreckung vor der Benutzung und dem Einsatz solcher Waffen erreichen zu können. Wir bitten Sie, den Menschenrechtsverletzungen an unserem Volk und seinen Kindern nicht tatenlos zuzusehen. Sie können im Rahmen ihrer Möglichkeiten in irgendeiner Form eine Reaktion zeigen und eine Haltung einzunehmen. So können Sie die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW in Den Haag) kontaktieren und versuchen die zuständigen Persönlichkeiten und Gremien zum Handeln zu bewegen. Wir plädieren dringend für die umgehende Bildung einer Experten-Gruppe, bestehend aus Mitgliedern internationaler Menschenrechtsorganisationen sowie aus Menschenrechtlern und Rechtsgelehrten, die sich zu objektiven Untersuchungen in die Türkei begibt. Jede ungesehene und ungeahndete Menschenrechtsverletzung ist eine Einladung zur wiederholten Menschenrechtsschuld!!! Lassen Sie uns dies gemeinsam verhindern.






